Eine neue wolkenlose Winternacht und damit ein neues Projekt mit meinem Star-Tracker.
Dieses Mal wollte ich noch einen Schritt weitergehen: Vordergrund und Hintergrund getrennt voneinander aufnehmen und nachher am Mac zusammen basteln – so wie die Profis. Normalerweise nimmt man den Vordergrund ganz bequem in der blauen Stunde auf und setzt dann nachträglich den getrackten Himmel ins Bild. Wenn man eine Nachführung benutzt, ist der Vordergrund nämlich unscharf. So viel zur Theorie.
Nachdem die Planung des Standortes zusammen mit einem Astrofotografen abgeschlossen war, der sich den Tracker live mal angucken wollte, hatten wir uns für die Sternwarte in Tirschenreuth entschieden. Ein spannender Vordergrund mit passender Ausrichtung und wenig Lichtverschmutzung in Richtung der Plejaden.
Wir trafen uns in der blauen Stunde vor Ort. Ich kam ein bisschen später an, weil ich auf dem Weg zum vereinbarten Treffpunkt natürlich wieder etwas zum Fotografieren gefunden hatte: Den Sonnenuntergang über den Teichen vor Tirschenreuth mit einem einzelnen Haus mit einem Baum daneben. Wenn man schon einmal die Kamera im Kofferraum hat, muss man das ausnutzen 😀
Am Treffpunkt angekommen, kümmerte ich mich als erstes um den Vordergrund wie geplant. Ich entschied mich für eine Belichtungsreihe von drei Bildern, die später zusammengefügt den Vordergrund bilden sollten. So war ich auf der sicheren Seite und hatte auf jeden Fall alle Informationen im Bild.
Als die Plejaden langsam sichtbar wurden, ging es an den Tracker. In dieser Nacht waren die Bedingungen leider nicht ganz ideal. Laut App 25 % Beleuchtung durch den Mond. Dennoch versuchten wir unser Glück. Der Aufbau mit dem MSM Nomad ging wieder fix und die grobe Ausrichtung durch den Laser ein Kinderspiel. Dieses Mal beleuchtete ich das fluoriszierende Röhrchen für den Polsucher wie in der Anleitung eine Minute lang. Pro: Ich hatte dieses Mal Licht im Polsucher. Contra: Ich sah den Nordstern kaum, der Winkel des Polsuchers war sehr steil und es war mit dem Kugelkopf wieder recht schwierig das ganze präzise auszurichten. Irgendwann gab ich auf und montierte die Kamera (Canon 5D Mark IV mit Canon 70 – 300 L) und hoffte, dass die Ausrichtung brauchbare Ergebnisse liefert. Eine ganze Minute Belichtung klappte problemlos. Ich freute mich und war gleichzeitig überrascht, dass die Ausrichtung doch einigermaßen zu passen schien. Länger als eine Minute war aber nicht drin ohne leichte Sternspuren zu bekommen.
Ich nahm mehrere Bilder vom Himmel auf nicht ganz 300 mm auf und in verschiedenen Helligkeitsstufen sowie Blendenstufen. Danach machte ich noch einige auf 300 mm.
Zu Hause angekommen bastelte ich gefühlt das ganze Wochenende an dem Bild. Die Bearbeitungsschritte in Siril sind mir immer noch etwas fremd und die Reihenfolge nicht ganz verständlich. Mal hatte ich nicht alle Kanäle, dann fehlte wieder die Farbe und die Hintergrund-Extraktion funktionierte nicht richtig etc. Es war ein Kampf 😀 Ich entschied mich für das farbloseste Ergebnis, weil mir bei diesem Bild das Stacking am besten gefiel. Der Himmel besteht aus ca. 65 brauchbaren Aufnahmen – wieder ein beeindruckendes Ergebnis für einen Mini-Tracker mit gerade einmal 400 g Eigengewicht, der mein relativ schweres Setup (ca. 2,4 kg inkl. Kugelkopf) transportieren musste.
Tipp für Photoshop: Ich hatte mit kleinen schlanken Ästen beim Freistellen des Vordergrundes zu tun und farbigen Rändern vom Sonnenuntergang. Nutzt die gleiche Methode wie wenn ihr Haare freistellen würdet um die Maske für den Himmel zu erstellen. Das hat bei mir am besten geklappt. Falls ihr einen weniger komplexen Vordergrund habt, könnt ihr mit „Himmel austauschen“ arbeiten und diese Maske dann verwenden.
Setup:
Übrigens habe ich mir von Move Shoot Move nun den Polarscope Illuminator bestellt. Das ist ein kleiner (etwas überteuerter) roter Laser, der mit einem Schraubgewinde in den Polsucher geschraubt wird. Er soll die Skala des Polsuchers mit einer roten LED zum Leuchten bringen. Dieses fluoreszierende Kunststoffröhrchen, das beim Nomad standardmäßig dabei ist und den Polsucher erhellen soll, nervt mich einfach und funktioniert irgendwie nicht so wie ich das gerne hätte 😀 Ich persönlich finde es nicht besonders gut durchdacht einen Illuminator für Nachtfotografie zu entwickeln, den man mit starkem weißen Licht anleuchten muss, damit er glüht. Bis sich die Augen wieder an die Dunkelheit gewöhnt haben, ist das Ding nämlich wieder dunkel.